Offline-Networks
30. September 2008 | Von ARU | Kategorie: Mal ZwischendurchUm die 150 Social Networks laut Weblog in Deutschland im Mai 2008 online…
… und es geht auch offline!
Wer kennt sie nicht, Social Networks wie MySpace, facebook, studiVZ, schuelerVZ, meinVZ, Lokalisten, Wer-kennt-wen und wie sie alle heißen. Auch Business-Networks wie Xing oder LinkedIn fallen in die Kategorie der sozialen Netzwerke, jedoch mit einer anderen Zielsetzung als die erstgenannten Beispiele. Geht es bei den Business-Networks primär um den Aufbau und die Pflege von Geschäftskontakten sowie geschäftlichen Austausch, bewegen sich die Nutzer der erstgenannten Beispiele primär im privaten Raum, oft auch mit Pseudonymen. Spätestens seit dem Kauf von studiVZ durch Holtzbrinck, laut Focus für 85 Millionen EUR, erlangten soziale Netzwerke eine breite Aufmerksamkeit in unserem Land, es kam eine wahre Goldgräberstimmung auf und Nachahmer versuchten sich in allen Branchen, bspw. Social Networks für Mütter, Sportler, Ärzte, etc.
Die Basisfunktionen üblicher Social Networking-Seiten bzw. Communities bestehen darin, dass Nutzer ein Profil bzw. eine persönliche Homepage anlegen, welche sie im Social Network bzw. in der Community anschließend verbreiten bzw. weiterentwickeln können. Die Daten auf diesen Profilen reichen vom Geburtsdatum über das Geschlecht, der Konfession, der politischen Einstellung und dem Heimatort bis hin zu Angaben hinsichtlich des persönlichen Geschmacks bzw. des Freizeitverhaltens, wie bspw. den Lieblingsbüchern, -filmen sowie den bevorzugten Aktivitäten in der Freizeit inkl. Fotoalben. Benutzer sind in der Lage ein Netzwerk aufbauen und darstellen zu können, indem Freundeslisten und Beziehungen zu anderen Personen dargestellt werden. Freunde, die noch nicht in derartigen Netzwerken präsent sind, können über eine Einladungsfunktion hinzugewonnen werden. Der Begriff Freund in seinem sozialen Netzwerk kann jedoch nicht mit dem Freund in der “Offline-Welt” gleichgesetzt werden. Jeder noch so spontane Kontakt in der Online-Welt kann einen Freund darstellen, während dieser Status in der Offline-Welt eher sich verdient machen muss.
Stellt man sich die Frage, warum diese Netzwerke so beliebt sind und begibt sich auf die Suche nach Antworten, findet man relativ rasch folgende Argumente:
- Von der Zielgruppe für die Zielgruppe
- Selbstpräsentation, Messaging & Informationsbeschaffung
- Finden von Freunden und Bekannten
- Einfache, schnelle Interaktion, Low-Involvement-Kommunikation
- “Zeit ist knapp”:
- Unmittelbar wahrnehmbarer Nutzen
- Schnelle technologische Plattform
- Einfaches, modernes Layout
- Einstellbare Privatsphäre
- Zugriff auf Ressourcen, die andere nicht haben
Derzeit herrscht jedoch ein Überangebot an solchen Netzwerken und der Markt wird sich im Laufe der kommenden Zeit sicherlich noch bereinigen. So gilt schlussendlich, dass diejenigen Netzwerke auf Dauer überleben werden, die in relativ rascher Zeit die kritische Masse an Akteuren erreichen bzw. schon erreicht haben, die Nutzerzahlen nachhaltig ausbauen und weiterhin begeistern können. Ebenso darf der Wunsch nach mobilen Anwendungen und der Trend zum mobilen Internet nicht aus den Augen verloren werden. Der US-Anbieter facebook, nun auch in Deutschland vertreten, macht es vor.
Soziale Netzwerke in der Offline-Welt…
Die Idee der sozialen Netzwerke ist nicht neu, seit unserer Geburt sind wir in Form von sozialen Beziehungen damit konfrontiert. Sie reichen von Bekanntschaften bis hin zu intimen, langdauernden Beziehungen, die vom familiären, beruflichen wie auch privaten Umfeld abhängig sein können. Es gibt soziale Netzwerke also auch in der “Offline”-Welt und eines davon stellt das rotarische Netzwerk Rotaract dar.
Rotaract ist mit über 180.000 Mitgliedern eine der größten Jugendorganisationen der Welt. Der Name setzt sich zusammen aus den Worten “Rotary” und “Action” – Aktion im Sinne der rotarischen Idee, gemeinsam anderen zu helfen. Mitglieder sind verantwortungsbewusste, sozial engagierte, junge Erwachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren. Rotaract besteht aus einzelnen Clubs, die es in vielen Städten Deutschlands gibt. Das Clubleben ist gekennzeichnet durch soziales Engagement, Förderung der Freundschaft, Toleranz gegenüber Mitmenschen und internationale Verständigung. Durch regelmäßige Treffen pflegen die Rotaracter freundschaftliche Beziehungen und geben Gelegenheit zum Gedankenaustausch. Rotaract organisiert darüber hinaus Vorträge mit Gastrednern oder Referenten aus dem eigenen Club, und es werden gemeinsame Besuche von Kulturveranstaltungen sowie Firmenbesichtigungen unternommen. Außerdem halten die Rotaracter Kontakt zu anderen Rotaract Clubs im In- und Ausland und so ist es üblich, jederzeit als Gast in einem der anderen 7.500 weltweit verstreuten Rotaract-Club willkommen zu sein. Rotaract-Clubs verhalten sich politisch und religiös neutral.
Häufig zu beobachtende Vorteile/ Situationen, welche durch den unproblematischen Umgang der Rotaracter untereinander entstehen können, sind u.a.,
- Eingewöhnungshilfe durch einfachere, erste Kontaktaufnahmen in einer neuen Stadt (bspw. zum Studium)
- Einfachere Vermittlungsmöglichkeiten von Schlafplätzen oder gar beruflichen Praktika
- “Lebenslauftuning” durch soziale Aktivitäten
- Erweiterung von Horizont und Bekanntenkreis, neue soziale Beziehungen oder gar Ehen und Kinder
Es ist durchaus möglich, dass viele Rotaracter später struktur- und umfeldbedingt in gehobenen bzw. attraktiven Positionen beschäftigt sind, was das Netzwerk auch offline nicht minder attraktiv erscheinen lässt.
Vergleichen wir Rotaract/ Rotary nun mit facebook, studiVZ, Xing oder LinkedIn, finden wir einige Analogien.
- Es gibt ein nationales & internationales Mitgliederverzeichnis (in Buchform und elektronisch)
- Die Mitglieder
- tauschen sich in Gruppen/ Fellowships aus und helfen untereinander
- organisieren sich club-/ netzwerkintern und interagieren miteinander
- organisieren clubübergreifende nationale/ internationale Netzwerkveranstaltungen
- präsentieren sich netzwerkintern und ihr Netzwerk nach außen
Fazit:
In einer zunehmenden Entfremdung, u.a. hervorgerufen durch die Digitalisierung unseres Umfeldes und immer weiter entfernten Arbeitsplätzen sowie Lebensmittelpunkten, findet sich hier ein willkommener Kontrast durch einen persönlichen Face-to-Face-Umgang miteinander, idealerweise beim gemeinsamen Feiern und Helfen – sowie beim fachlichen Austausch durch interessante Vorträge und beim sichtbaren Engagement in sozialen Projekten.
Auch in Coburg ist ein Rotaract Club vertreten. Dieser ist unter www.rotaract-coburg.de erreichbar und heißt interessierte sowie engagierte Gäste herzlich willkommen.
Quellen:
- Weigert, Martin: 149 Social Networks aus Deutschland; online verfügbar unter http://netzwertig.com/2008/04/15/zn-aktuelles-ranking-149-social-networks-aus-deutschland/; Stand: 23.09.2008
- o.V.; online verfügbar unter www.rotaract.de;Stand: 23.09.2008
- Stutzman, Fred: Facebook’s Critical Success Factors; online verfügbar unter http://chimprawk.blogspot.com/2006/05/facebooks-critical-success-factors.html; Stand: 08.05.2008


