Seit Mitte der 70er Jahre haben sich viele Studien mit einem gemeinsamen Ziel, der Identifikation des übergeordneten, unternehmerischen Erfolgs, beschäftigt. Als “Mutter der Erfolgsfaktorenforschung” gilt das PIMS-Programm (“Profit Impact of Marketing Strategies”) und ist als Keimzelle der Erfolgsfaktorenforschung immer noch eine der führenden Studien hinsichtlich der Erfolgsfaktorenforschung (Kowallik, 2004).
Das Programm stellte den ersten Versuch dar, auf empirischer Basis einen Zusammenhang zwischen Strategie und Erfolg im Unternehmen nachzuweisen. Das PIMS-Projekt hat durch branchenübergreifende Analysen multinationaler Unternehmungen ergeben, dass (i) Marktattraktivität, (ii) die relative Wettbewerbsposition, (iii) Investitionen, (iv) Kosten und (v) Veränderung der Schlüsselfaktoren als Haupteinflussparameter des ROI angesehen werden können. (Köppen, 2003)
Entsprechend der Ergebnisse von Peters/ Waterman (1991) zeichnen sich erfolgreiche Unternehmen vor allem dadurch aus, dass sie in den Bereichen Struktur, Systeme, Strategie, Selbstverständnis, Stil, Spezialkenntnisse und Stammpersonal über eine bestimmte Exzellenz verfügen.
Der Begriff Erfolgsfaktor (EF) findet in der Literatur durch weitere Synonyme wie kritische Faktoren, strategische Erfolgspositionen, Schlüsselfaktoren (Müller, 1999), kritische Erfolgsfaktoren (KEF), Erfolgskomponenten (Kroiß, 2003), etc. eine heterogene Anwendung. Da aus diesem Grund keine einheitliche Definition des Begriffs EF vorgefunden werden kann, gilt für die weitere Verwendung:
“Als strategische Erfolgsfaktoren werden die Elemente, Determinanten oder Bedingungen bezeichnet, die den Erfolg oder Misserfolg unternehmerischen Handelns entscheidend beeinflussen” (Kreilkamp 1987, S. 176).
Ferner können EF als beeinflussbare Faktoren, welche einen nachhaltigen und längerfristigen positiven Einfluss auf den Erfolg eines Unternehmens haben bezeichnet werden. Diese Faktoren können vorgegeben oder Ergebnisse bestimmter Analysemethoden sein. (Müller, 1999; Rusnjak und El Kharbili, 2009)
Eine umfassende, praktische Sichtweise über EF stellt Kurt Nagel (1986) vor, welcher sechs generelle EF identifizierte. Neben der praktizierten Kundennähe als wichtigsten Faktor nennt Nagel die Faktoren Strategie, Organisation, Mitarbeiter, Führungssystem und Informationssystem als wesentliche Determinanten des Unternehmenserfolgs. Kowallik (2004) und Nagel (1986) spezifizieren EF u.a. in generelle, branchenspezifische und unternehmensspezifische EF, d.h. während generelle EF für alle Unternehmen, Branchen, etc. angewendet werden können, sollten spezifische EF separat ermittelt werden (Kowallik, 2004; Nagel 1986).
Nagel unterscheidet zusätzlich in bestimmte Reifegrade (1. Start, 2. Ausweitung, 3. Konsolidierung, 4. Wachstum und 5. Integration) die EF als Zustand in einem Unternehmen besitzen können, wobei der Einfluss eines EF mit jedem höheren Reifegrad zunimmt (Nagel 1986). Hinsichtlich weiterer Differenzierung von EF kann eine quantitative (messbar, bspw. Anzahl Kunden, Conversion Rates, etc.) und qualitative (nicht-messbar, bspw. Marken-Image, Qualität des Contents, etc.) Typisierung vorgenommen werden (Kowallik, 2004), ebenso eine Differenzierung hinsichtlich des Einflusses in endogene EF, beeinflussbar durch das Unternehmen, z.B. Stärken und Schwächen und in exogene EF, von der Umwelt beeinflusst, z.B. Chancen und Risiken (Kroiß, 2003).
Aus den bisherigen Ausführungen leitet sich ein traditionelles KEF-Modell mit der Klasse “KEF” im Zentrum ab. Über die weiteren Assoziationsklassen “Spezifität”, “Reifegrad”, “Einfluss” und “Typ” können KEF näher spezifiziert und eingeordnet werden.

Literatur:
- Kowallik, Thomas (2004): Erfolgschancen der Geschäftsmodelle von Start-ups im E-Commerce. Analyse von Erfolgsfaktoren; Frankfurt am Main: Lang (Europäische Hochschulschriften Reihe 5, Volks- und Betriebswirtschaft, 3099)
- Köppen, Alexander (2003): Metamodell zur Analyse und Gestaltung von Geschäftsmodellen im Electronic Business Kontext; Dissertation. Saarland. Universität des Saarlandes, Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
- Kreilkamp, Edgar (1987): Strategisches Management und Marketing: Markt- u. Wettbewerbsanalyse strateg. Frühaufklärung Portfolio-Management; Berlin: de Gruyter
- Kroiß, Andreas (2003): Erfolgsfaktoren von Internet-Start-Ups; erste Auflage, Hamburg: Verlag Dr. Kovac
- Müller, Ralph (1999): Erfolgsfaktoren schnell wachsender Software-Startups. Eine lebenszyklusorientierte Untersuchung von Softwareunternehmen des Produktgeschäfts; Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Wien: Lang
- Rusnjak, Andreas; El Kharbili, Marwane; Hristov, Hristomir; Speck, Andreas (2009): Managing the dynamics of e/mCommerce with a hierarchical overlapping Business-Value-Framework; eingereicht bei WAMIS 2010 (The 6th International Symposium on Web and Mobile Information Services), Perth
- Nagel, Kurt (1986): Die 6 Erfolgsfaktoren des Unternehmens. Strategie, Organisation, Mitarbeiter, Führungssystem, Informationssystem, Kundennähe; 3. überarb. Aufl. Landsberg/ Lech: Verl. Moderne Industrie
- Nagel, Kurt (1991): Die 6 Erfolgsfaktoren des Unternehmens .Strategie-Organisation-Mitarbeiter-Führungssystem-Informationssystem-Kundenähe; vierte Auflage, Landsberg/Lech, Verlag Moderne Industrie
