Geschäftsmodell-Entwicklung
Entwicklung eines (eCommerce-)Geschäftsmodells
Um ein Geschäftsmodell erfolgreich und nachhaltig am Markt etablieren zu können, braucht es eine Vorstellung davon, wo man aktuell steht, wie und mit welchen Zielen die unternehmerische Tätigkeit gestaltet werden soll und womit man in der Zukunft sein Geld verdienen will. Um sich hier ein klares, strukturiertes Bild seiner Vorstellungen verschaffen zu können, bedarf es einer genauen Planung und Beobachtung einiger wichtiger Faktoren, die im folgenden als Entwicklungsprozess von eCommerce-Geschäftsmodellen behandelt werden.
Am Anfang
Zu Beginn sollte sich der Gründer/ sollten sich die Gründer Gedanken über den Geschäftszweck, die Geschäftsidee machen. Hierbei geht es nicht darum, ein komplett fertiges Modell zu entwickeln, sondern sich Gedanken um die wesentlichsten Leistungsmerkmale machen.
Mögliche Schlüsselfragen können hier am Anfang sein:
- Was ist die Innovation, das Neue an meiner Geschäftsidee?
- Was will ich persönlich mit dieser Idee erreichen? Was ist meine Vision?
- Habe ich bereits Kunden für diese Idee?
- Was ist der USP meiner Geschäftsidee?
- Wie sieht mein Erlösmodell aus?
- Gibt es Wettbewerb und falls ja, wie macht dieser seinen Job bzw. wie stellt sich sein Leistungsportfolio dar?
- Was mache ich besser/ anders als der Wettbewerb?
- Gibt es irgendwelche Abhängigkeiten, Showstopper?
- Welche Bereiche/ Rollen/ Gruppen sind am Geschäftsmodell beteiligt (Kunde, Zulieferer, Logistik, Produktion, etc.)
- Wer könnte etwas dagegen haben, mit welchem Widerstand ist zu rechnen?
- etc.
Im zweiten Schritt ist es hilfreich, die wesentlichsten Geschäftsprozesse vorab einmal auf Papier zu bringen. Hier reichen einfache Mindmaps, besser aber Prozessskizzen. Idealerweise stellt der Gründer sowohl Informations-, Waren- als auch Zahlungsflüsse dar. Im Zuge dieser Skizzierungen werden erste Abhängigkeiten, Problemstellungen, etc. erkannt und ggf. im Vorfeld angegangen bzw. gelöst.
Der ideale Gründer
Ich würde mal behaupten, wie viele andere wohl auch, dass es den idealen Gründer nicht gibt. Jeder Mensch ist ein besonderes Individuum mit bestimmten Stärken und Schwächen. Die wenigsten sind Allrounder, die ihr Handwerk mit allen notwendigen Problemstellungen auf Anhieb verstehen. Umso erstaunlicher ist aber das Gedanken- und Ideenpotenzial der “Nicht-Allrounder”.
Häufig finden Gründungen in kleinen Teams statt, so dass sich jeder Gründer auf seine Stärken und Fähigkeiten konzentrieren kann und gerade der heterogene Mix an Erfahrungen, Fähigkeiten, Kompetenzen, etc. eine bestimmte Dynamik erzeugt und dieser auch standhalten kann. One-Man-Shows halten dem Druck, dem Stress nicht sehr lange stand.
Suchen Sie sich von daher relativ schnell gute und fähige Partner, die, und das ist wichtig, menschlich zu ihnen passen und welchen Sie vertrauen können.
Wie auch immer die persönlichen Voraussetzungen und Fähigkeiten sind, um eine Geschäftsidee zu entwickeln, es bedarf etwas mehr als nur einer Idee oder “der” Idee:
- Die Zeit für die Idee muss reif sein
- Gründer müssen Überzeugungstäter und mit Herzem bei der Sache sein
- Betrachten Sie Ihr Gründungsvorhaben als Passion, gehen Sie es mit Liebe, Engagement und ordentlicher Motivation an. Betrachten Sie es als Ihr Kind.
- Schaffen Sie sich vernünftige Rahmenbedingungen, d.h. ein strukturiertes Arbeitsumfeld und gute Informations- sowie Kommunikationsmöglichkeiten
- Setzen Sie sich Ziele mit Terminen und motivieren Sie
- Gründer müssen sich im Klaren sein, dass es Opfer in Freizeit, Freundschaften und in finanziellen Punkten zu bringen gilt – Nicht jeder hat zu Beginn einen finanzstarken Investor
- Nehmen Sie Rücksicht auf Ihren Partner und Zeit für diesen. Aus eigener Erfahrung kann ich diesen Ratschlag jedem Gründer geben, der in einer festen Beziehung steht und sich nicht mehr unbedingt in seiner “Sturm & Drang”-Phase befindet. Wichtiger als Ihre Geschäftsidee sollte der Mensch an Ihrer Seite, ihre Familie sein.
- Keiner ist vor Rückschlägen sicher, stehen Sie nach einem Rückschlag wieder auf, arbeiten Sie daran und betrachten Sie Fehler, Rückschläge, etc. als Chance daraus zu lernen und es in Zukunft besser zu machen
- Bilden Sie Netzwerke, reden Sie über Ihre Idee, begeistern Sie mögliche Partner
- etc.
Erste Herausforderungen
Während der Gründung bzw. auch der ersten operativen Schritte brechen viele Aufgaben, Herausforderungen und sonstige lästige sowie nützliche Dinge auf den Gründer, die Gründer herein. Umso besser ist es also, im Team zu agieren.
Eine der Hauptaufgaben zu Beginn besteht darin, umfangreiche Recherchearbeit zu leisten. Primärer Fokus sollten hier mögliche Wettbewerber und Partner sein. Tragen Sie die wichtigsten Highlights zusammen und strukturieren Sie sie. Anschließend leiten Sie Rückschlüsse auf Ihr Geschäftsmodell und weitere Aufgaben (mit Angabe von Priorität, Termin und Kümmerer) ab.
Sofern bis jetzt noch nicht geschehen, sollten Sie sich an diesem Zeitpunkt die Frage stellen, ob Sie im Team oder alleine arbeiten wollen. Alleine sind viele Vorhaben kaum zu stemmen. Je nach Geschäftsmodell gilt es neben konzeptionellen Fragen wie Leistungsportfolio, verwendete Technik, Markt und Kunden, die technischen Voraussetzungen zu schaffen bzw. umzusetzen, die Finanzierung zu realisieren, Marketing & PR zu leisten, Anfragen zu bearbeiten, Behördenkram zu erledigen, eine Buchhaltung aufzubauen, wichtige Termine wahrzunehmen, IT-Infrastruktur aufzubauen, zu betreuen, etc.
An diesem Punkt sind sie weit genug, um strukturiert in den Prozess der Geschäftsmodell-Entwicklung einzusteigen, entweder alleine oder im Team…
Der Entwicklungsprozess eines Geschäftsmodells
Die Darstellung der einzelnen Prozessschritte erfolgt in kurzen und knappen Portraits und bezieht sich primär auf Start-ups. Dieser Prozess lässt sich aber auch für die regelmäßige Unternehmensplanung oder turnusmäßige Hinterfragung von Geschäftsstrategien und evtl. damit verbundener Kurskorrekturen anwenden.
Nachdem Gründungen bzw. Entwicklungen von Geschäftsmodellen/ Start-ups aber auch einer bestimmten Dynamik unterliegen, ist meine vorgeschlagene Vorgehensweise nicht unbedingt als statisches Modell zu verstehen sondern eher als Handlungsgerüst, Anleitung im Sinne einer strukturierten Vorgehensweise.
Vision, Mission werden sich sicherlich im Laufe der ersten 15 Monate ein bis mehrmal ändern bzw. anpassen lassen, die Unternehmenskultur muss reifen. Jedoch sollte man sich im Vorfeld schon sicher sein, welche Vorstellungen man von Teamarbeit, Normen, Werten hat, Erwartungen an potenzielle Mitarbeiter und Mitgründer, bestimmte Regeln definieren und eine Ahnung davon haben, wohin man will und wie man wahrgenommen werden möchte.
Innerhalb der Beiträge zu Management-Tools bzw. den Erfolgsfaktoren werden sukzessive Rückkopplungen zu dem von mir vorgeschlagenen Entwicklungsprozess erfolgen.

